An dieses Zitat erinnere ich mich immer wieder: "Bürgermeister kann jeder werden, Mechaniker nicht!" In die Welt gesetzt von einem geschätzten Kommunalpolitiker während eines Gesprächs über die Qualifikation von Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Baden-Württemberg. Anders gesagt: Nahezu jeder Beruf erfordert eine ordentliche Ausbildung.
Und bei Journalisten? Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat einen fatalen Trend eingeleitet: Wer einen Bleistift halten und einen Knopf an der Kamera drücken kann, wird flugs in den neuen Berufsstand des Bürger-Reporters aufgenommen. Hauptsache, billig. Mittlerweile finden sich Nachahmer, gefördert von Verlegern, die im engeren Sinne keine mehr sind. Qualität? Nein, danke!
Wohin diese von wahnhaftem Sparzwang und vermeintlicher Bürgernähe geprägte Denkweise führt, machte der Medienwissenschaftler Christoph Fasel bei einem Journalistenkongress deutlich. Das Magazin des Deutschen Journalistenverbands zitiert ihn mit folgenden Worten: "Wir wollen auch nicht von Bürgerpiloten nach Mallorca geflogen oder von Bürgerchirurgen operiert werden."
8.12.09
Guten Flug mit dem Bürgerpiloten nach Mallorca
7.12.09
Weshalb wir immer noch eine Bankenkrise haben
Haben wir immer noch eine Bankenkrise? Ja, vor allem im Service. Denn was soll man von einer Bank in Deutschland halten, die alles tut, um sich Kunden vom Hals zu halten. Der Anruf bei der örtlichen Filiale landet stets im anonymen Callcenter, der zugesagte Rückruf aus der Filiale dauert zwischen zwei Tagen und mindestens einer Stunde. Vielleicht gibt es Service erst ab einer Anlagesumme, die nach dem Selbstverständnis jener Bank und ihres Vorstandschefs mehr als nur peanuts darstellt. So what. Ganz anders die Erfahrung mit einer Direktbank, deren Mutterkonzern ihren Sitz in den Niederlanden hat. Kaum wurde zweimal hintereinander ein identischer Wertpapierauftrag online abgeschlossen, meldet sich ein freundlicher Mitarbeiter am Telefon mit der fürsorglichen Nachfrage, ob dies ein Versehen oder Absicht war. Mitdenken statt abkassieren ist eine Mentalität, die ich mir öfters wünsche. Auch von deutschen Banken.
2.12.09
Gar nicht nett: Wenn Angst die Argumente übertönt
Wer hat es erfunden? Die Schweizer natürlich. Und jetzt sind sie über die Auswirkungen ihrer viel gelobten direkten Demokratie doch ein wenig erstaunt. Denn die Volksabstimmung über ein Minarett-Verbot finden viele gar nicht nett.
Interessant und wenig beleuchtet sind folgende Gesichtspunkte:
Ganz offenkundig ist es den Minarett-Gegnern gelungen, mit einer äußerst emotionalen Kampagne sämtliche noch so guten Argumente der Befürworter von Religionsfreiheit, Toleranz und Integration zu übertönen. Ein Mechanismus, der immer wieder funktioniert. In der Werbung wie in der Politik. Wer es schafft, Emotionen zu wecken, ist auf der Gewinnerstraße.
Eine der stärksten Emotionen neben Gier ist überall auf der Welt die Angst. Die Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden, dem vermeintlich Gefährlichen, oft auch vor dem Neuen. Angst gedeiht am besten auf dem Nährboden von Unkenntnis und Halbwissen; hinzu kommen geistige Trägheit, der Unwillen und das Unvermögen, sich mit einem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen.
Für Politiker, Werbetreibende und Journalisten kann das aus meiner Sicht nur bedeuten: Wer seinen Beruf verantwortungsbewusst ausübt, muss sich der Wirkung starker Emotionen wie der Angst jederzeit bewusst sein. Wer auf kurzfristigen Erfolg aus ist und deshalb mehr oder weniger dumpfe Ängste schürt, wird langfristig großen Schaden anrichten.
3.11.09
Do not drive to Bangkok! Warum Verneinungen gefährlich sind
Von Nick Faldo kann man lernen, wie ein guter Golfschwung aussieht, aber auch, weshalb Verneinungen oft das Gegenteil bewirken. Schauen Sie sich einfach mal dieses Youtube-Video an. Faldo vermeidet bewusst Selbstgespräche wie „Nicht in den Teich schlagen!“ oder „Bloß nicht die Bäume treffen!“.
Weshalb? Unser Gehirn lässt das alles entscheidende Wort „nicht“ durch ein Sieb fallen Was bleibt, sind Gedanken, die um die Hauptwörter „Teich“ oder „Bäume“ kreisen. Und schon landet die Pille als Fischfutter im Teich oder rasiert die Bäume am Fairway-Rand. So ein Mist! Alles schon zigfach selbst erlebt …
Deshalb: Vermeiden Sie in Ihren Mailings Verneinungen und treffen Sie ausschließlich positive Aussagen. Faldo sagt sich zum Beispiel: „Ich spiele jetzt einfach einen geraden Ball etwa 170 Meter weit in die Mitte des Fairways.“ Und siehe da: Die Pille fliegt wie an der Schnur gezogen bolzgerade und weit genug am Teich vorbei.
Denken Sie immer an Nick Faldo: Auf dem Golfplatz und beim Texten – oder Sie engagieren gleich einen Golflehrer oder Profi-Texter zur Unterstützung.
23.10.09
Qualität setzt sich auch in der Krise durch
Ob es den Zeitungsverlagen gut oder nicht ganz so gut geht, ist Auslegungssache. Tatsache sind einerseits sinkende Auflagenzahlen, wie der Deutsche Journalistenverband (DJV) in den DJV-News mitteilt. Demnach hat es im dritten Quartal 2009 vor allem die Regionalzeitungen besonders getroffen. Positiv verläuft dagegen die Auflagenentwicklung bei den Sonntags- und Wochenzeitungen: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (plus 3,3 Prozent) und die liberale ZEIT aus Hamburg (plus 4,2 Prozent) legen deutlich zu. Wie man auch zur politischen Ausrichtung dieser beiden Blätter stehen mag, so verbindet sie doch ein wesentliches Merkmal, nämlich Journalismus auf verlässlich hohem Niveau. Ob es vielleicht doch einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gibt?
22.10.09
Auf zur Suche nach dem Unwort des Jahres 2009
Die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres sucht ihren Favoriten für das Jahr 2009. In der Pressemitteilung der Aktion heißt es:
Gesucht werden sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die 2009 besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Dabei kann es sich um einzelne Wörter oder Formulierungen handeln, die in der Politik oder Verwaltung, in Kulturinstitutionen oder Medien, in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik oder in einem anderen Bereich öffentlich verwendet wurden. Vorschläge können von allen Deutschsprachigen im In- und Ausland gemacht werden. Eine Quellenangabe wird erbeten.
Vorschläge am besten per Mail an: unwort@em.uni-frankfurt.de bis spätestens 11. Januar 2010.
Meine persönlichen Favoriten sind: Nebenhaushalt (statt Taschenspielertrick), Migrationshintergrund, Analogkäse, Freisetzung (anstatt Entlassung), Straßenbegleitgrün (seit wann begleiten Pflanzen?), Atommeiler (noch beschönigender als Kernkraftwerk), Systemgastronomie (statt Massenfütterung), Solidaritätszuschlag (statt Zwangsabgabe Ost), Wertberichtigungsbedarf.
Weitere Informationen: www.unwortdesjahres.org