Warum nicht das Volk befragen, wenn ein Name für ein neues Produkt gesucht wird? Gesagt, getan. Und als Ergebnis der Kampagne „Alfa naming“ schien der Name „Furiosa“ für die neue Rennsemmel im Kleinwagenformat aus dem Hause Alfa Romeo festzustehen. Hört sich irgendwie schnell an, ein bisschen italienisch, aber auch ein wenig nach „dicke Backen“. Der Weg ist nicht mehr weit zu den Kunstnamen wie „Touran“, „Tiguan“ oder „Sharan“, die es nicht schaffen, den Pampers-Mobilen aus Wolfsburg ein frisches oder gar sportliches Image zu verschaffen. Zum Glück haben die Verantwortlichen bei Alfa Romeo jetzt eine Vollbremsung hingelegt und sich auf die Markentradition besonnen: Der neue Sportflitzer im Kleinformat, eine Art „8C Competizione“ für Normalverdiener, hört auf den Namen „Mi.To“, die Abkürzung für Mailand und Turin. Kurz, knapp knackig oder „al dente“, wie der Italiener sagen würde.
31.3.08
10.3.08
Aus dem Wörterbuch der Illiteraten (3): innovativ
Mein Bäcker streut neuerdings Kürbiskerne auf seine Brezeln und findet das bestimmt ganz toll. Wäre er nicht mein Bäcker, sondern in der IT-Branche tätig, würde er seine Vogelfutter-Brezel bestimmt als innovativ bezeichnen. Halbwüchsige Jungs, die ihre Mütze falsch herum aufsetzen, finden das – Sie ahnen es schon – innovativ. Wenn selbst der Koch im Landgasthof die Sauce zum Fisch aufschäumt, findet er das ebenfalls innovativ, obwohl es in Wirklichkeit nur albern ist. Kaum ein Wort hat so schnell seinen Reiz und seine Bedeutung verloren wie „innovativ“. Und das ist gut so! Verwandte Wörter heißen „kreativ“ – auch heute noch ein offenbar unvermeidliches Muss auf Websites von Werbeagenturen – und „solutions“, womit wir wieder bei der IT-Branche sind.
18.2.08
Aus dem Wörterbuch der Illiteraten (2): toppen
Eines ist sicherer als Schwarzgeld in Liechtenstein: Auf jede außergewöhnliche Leistung eines Sportlers folgt die geradezu zwanghafte Frage des Reporters: „Kann man das noch toppen?“ Selbst der Duden hat seiner 24. Auflage das Modewort der Töpperwiens und Steinbrechers einverleibt. Vermutlich handelt es sich bei den atemlosen Mikrofonhaltern um verhinderte Leichtmatrosen, denn die Seemannssprache bezeichnet mit toppen das Ziehen – meistens eines Segels – zur Mastspitze. Anders gesagt: Wer toppt, treibt etwas auf die Spitze. Weitläufig verwandt mit toppen: vor Ort (Bergmannssprache).
1.2.08
Langzeit-Studie der Uni Hohenheim: Manager-Schelte so stark wie nie zuvor
Das Unbehagen über Deutschlands Manager wächst. Noch nie kamen sie in der Öffentlichkeit so schlecht weg. Den Beleg dafür liefert die erste Langzeit-Studie der Universität Hohenheim zu Spitzen-Managern und Management-Themen in den Medien. Für seine Untersuchung hat der Medienwissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider gemeinsam mit dem Institut Media Tenor mehr als fünf Jahre lang 286 180 Passagen über die 30 führenden DAX-Unternehmen ausgewertet. Das Ergebnis: „Die Kritik an den Managern war noch nie so stark wie in diesem Jahr.“ In der zunehmenden Personalisierung der Berichterstattung aus der Wirtchaft sieht Brettschneider auch eine Chance: „Vorstandsvorsitzende können ihrem Unternehmen auch eine Image-Dividende schaffen.“
Pressemitteilung der Universität Hohenheim
Auswertungen der Langzeit-Studie
1.1.08
Alles hat ein Ende: Netscape Navigator vor dem Aus
Es war einmal ein Browser, der Microsofts Internet Explorer die Stirn geboten hat. Inzwischen ist der Name mehr Rauch als Schall, der Netscape Navigator stirbt aus. Seit 1998 gehört Netscape zu AOL. Das Unternehmen hat jetzt angekündigt, dass es von Februar an keine Sicherheits-Updates mehr für den Navigator veröffentlichen wird – das sichere Aus für den Browser.
Lesen Sie mehr zu diesem Thema hier im Manager Magazin!
28.12.07
Aus dem Wörterbuch der Illiteraten (1): der Award.
Man müsste es erfinden, denn an Stoff mangelt es nicht für ein Wörterbuch der Illiteraten. Politik, Wirtschaft, Unterschicht-Fernsehen (frei nach Harald Schmidt) und Freunde der Anglizismen wären zuverlässige Lieferanten. Wohlan, so lasst uns beginnen!
Teil 1: der Award. Früher war alles viel einfacher weil übersichtlicher. Nobelpreis und Oscar, Goldene Kamera und Bambi – das war’s weitgehend an Preisen und Auszeichnungen. Heutzutage verleiht jeder Fernsehsender Preise und Auszeichnungen. Und damit es nicht gar so provinziell erscheint, werden Schauspieler, Sänger und Sportler mit einem „Award“ zwangsbeglückt.
Ganz in der Nähe des „Award“ finden sich im Wörterbuch der Illiteraten Begriffe wie voten, toppen, performen oder casten. Dazu demnächst mehr.