13.9.06

Praktische Tipps für die politisch korrekte und geschlechterneutrale Sprache

Dass natürliches (sexus) und grammatikalisches Geschlecht (genus) in der deutschen Sprache nicht identisch sind, liegt auf der Hand. Weshalb sonst heißt es "das Weib" oder "der Feminismus". Die Vorreiter, genauer gesagt die Vorreiterinnen der sprachlichen Gleichberechtigung lassen sich davon nicht beeindrucken. Deshalb hören und lesen wir so charmante Begrüßungen wie "Liebe Baden-Württemberger und Baden-Württembergerinnen" oder "Liebe Buer-Erckenschwicker und Buer-Erkenschwickerinnen." Diese sprachliche Pärchenbildung ist eine Möglichkeit, das bizarre Binnen-I findet sich zum Beispiel bei den Grünen ("Liebe MitgliederInnen") und Behörden behelfen sich gerne mit der Schrägstrich-Variante: Bürger-/innen. Eine einigermaßen ernsthafte und praxisorientierte Anleitung für sprachliche Gleichberechtigung findet sich auf der Internet-Seite der Stadt Wien unter den Stichwort "Eine Sprache für Frauen und Männer". Vielleicht hilft's...

10.8.06

Wie Kommunikation gallig werden kann

"Miteinander reden" hieß der Wahlkampf-Slogan des Ulmer Rechtsanwalts Ivo Gönner, mit dem er als Sozialdemokrat, nach damaliger Meinung also mit dem falschen Parteibuch in der Hosentasche, im Jahr 1992 zum Ulmer Oberbürgermeister gewählt worden ist. Würde er heute seinen Wahlkampf von einer trendig-kultig-zeitgeistigen Werbeagentur machen lassen, dann hieße der Slogan "Miteinander kommunizieren" oder "Integriert kommunizieren". Gesagt, gesprochen, geredet wird immer weniger. Heutzutage wird kommuniziert. Warum Kommunikation deshalb gelegentlich gallig werden kann, schreibt Heinrich Felder in seiner Kolumne in der "Wochenzeitung für das Emmental und Entlebuch" (Schweiz).
Lesen Sie die Kolumne "Kommunikation".

29.7.06

Eigentlich nicht wirklich - oder?

"Also, das find' ich eigentlich interessant!" Oft gesagt, oft gehört. Aber was heißt das wirklich? Zeigen wir tatsächlich Interesse oder kleiden wir unser Desinteresse nur in einen Schleier, auf dass es dezent durchschimmern und niemand kränken möge? Bei mir steht dieses Wort auf der "roten Liste". Und bei Ihnen? Nachfolgend eine ganz besondere Interpretation von "eigentlich":

"Eigentlich" ist ein Würzwort: Es würzt das, was wir sagen, mit einem Fragezeichen, einem Selbstzweifel, einem Fingerzeig oder einem Widerspruch.

Mehr dazu unter www.imaginata.de

23.6.06

Wenn die Räume eng werden – oder: Sport ist Wort

Wenn die Räume eng werden, nicht das ganze Leistungspotenzial abgerufen wird, Nicklichkeiten ausgetauscht und Laufwege einstudiert werden – dann ist Fußball, die hohe Zeit der Duzmaschinen und Dampfplauderer. Denen hat die Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt" den Kampf angesagt, sie sollen in die sprachliche Abseitsfalle laufen. In einer Pressemitteilung vom 22. Juni heißt es:

Kerner und Beckmann haben Konkurrenz bekommen: Während des gestrigen WM-Vorrundenspiels Argentinien gegen die Niederlande kämpften sechs Nachwuchskommentatoren um den Sieg im Wettbewerb „Sport ist Wort“. Aufgrund anhaltender Kritik an den sprachlichen Leistungen von Fußballkommentatoren bei Fernsehübertragungen hatten das Erlanger Theater fifty fifty und die Sprachzeitung DEUTSCHE SPRACHWELT mit Hilfe einer Expertenelf Ersatz gesucht.
Lesen Sie dazu den vollständigen Bericht in "Deutsche Sprachwelt"!

9.5.06

Ganz schön happig: Happy Day's

An Gisela's Lädele, Rainer's Kneipe und Tom's Shop haben wir uns nolens volens gewöhnt. Der falsche Gebrauch des Apostrophs in der deutschen Sprache wird immer mehr zur Gewohnheit. Ganz schön happig ist allerdings, dass die Globalisierung offenbar auch bei den Grammatik-Ignoranten und Sprachverhunzern voranschreitet. Oder was soll man sonst zu einer Wortschöpfung wie "Happy Day's" noch sagen?

13.4.06

PR und das Qualitätsproblem des Journalismus

PR und Journalismus - eine Hassliebe in mehreren Akten. Ich erinnere mich gut an die 70er- und 80er-Jahre, als in Lokalredaktionen jeder eingestellt wurde, der einmal in seinem Leben an einer Schreibmaschine vorbeigelaufen war. Wer dennoch keine Stelle gefunden hat, wurde irgendwo Pressesprecher. Kein Wunder, dass die "richtigen" Journalisten mehrheitlich auf die PR-Kollegen herabgeschaut haben. Viele tun es heute noch, das Verhältnis ist nicht immer spannungsfrei. Für ein sinnvolles Miteinander von PR und Journalismus haben sich bei einer viel beachteten Diskussion Ulrich Nies, Vorsitzender der Deutschen Public Relations Gesellschaft, und Michael Konken, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbands, ausgesprochen. Unwidersprochen blieb die Erkenntnis, dass "Qualität auf beiden Seiten" die Grundlage eines erfolgreichen Miteinanders sei. Dazu einige persönliche Anmerkungen: PR ist Journalismus, nämlich Informationsvermittlung - wozu also Gegensätze pflegen, wo sie nicht vorhanden sind! Qualität wird in immer mehr Redaktionen, vor allem im Lokalen, zum Fremdwort. Nicht etwa, weil die "richtigen" Journalisten ihr Handwerk nicht mehr beherrschen, sondern weil sie einem immer stärkeren Kosten- und Zeitdruck ausgesetzt sind. "One man, one page" (pro Redakteur eine Seite) wird zur Regel, für Recherche bleibt kaum noch Zeit. Dass mit der Qualität auch die Glaubwürdigkeit eines solchen Journalismus leidet, wirkt sich auch auf die PR aus. Sie sucht sich zwangsläufig eigene Wege abseits der traditionellen Medien - das Internet macht's möglich.
Mehr dazu auf der Internetseite der Gesellschaft Public Relations Agenturen (DPRA).