19.11.10

Ganz schön abgefahren: die falsche Bahn auf Twitter

Und noch ein Aufreger! Ein paar pfiffige Leute haben sich den Twitter-Account mit dem Namen @deutschebahn gesichert und zwitschern, was das Zeug hält. Weil Satire und das wirkliche (Bahn-)Leben manchmal nur schwer zu unterscheiden sind, fehlt auch nicht der Hinweis, dass die "echte Bahn" woanders fahre und es sich um einen "inoffziellen Twitter-Account" handle. Social Media ist eben auch eine Frage der Geschwindigkeit. Und bis bei der Deutschen Bummelbahn das Signal auf Grün stand, war der Account schon weg. Ganz schön abgefahren!

17.11.10

Der große Aufreger: Sixt wirbt bei Castor-Demo

Was für ein Aufreger! Die Werbeaktion von Sixt bei der Castor-Demo in Gorleben bewegt die Gemüter. Da hat die clevere Agentur Jung von Matt einige Komparsen ins Wendland geschickt, auf dass sie sich unter die Demonstranten mischen mögen. Und so begab es sich, dass Sie auf orangefarbenen Hemdchen und Transparenten folgende Botschaft unter das Protest-Volk brachten: „Stoppt teure Transporte. Mietet Van & Truck von Sixt!“

Die Rache der Gutmenschen folgte auf den Fuß, denn alsbald schwappte ein Tsunami der moralischen Entrüstung von Gorleben quer durch die Republik. Wer etwas zu schreiben und manchmal auch zu sagen hat, äußerte sich in Blogs, kommentierte die Youtube-Videos oder sonderte mehr oder weniger tiefschürfende Zeitungsartikel ab. Ja, selbst dem österreichischen „Standard“ war es einen Aufsatz wert!

Vermeintliche Experten halten die Guerilla-Marketingaktion gar für einen Rohrkrepierer, derweil sich die Werber bei Jung von Matt ins Fäustchen lachen. Der Aufwand – ein paar junge Leute ins Wendland schicken, Transparente und T-Shirts bedrucken – ist geradezu lächerlich gering im Vergleich zur Aufmerksamkeit. Ein Musterbeispiel an Effizienz! Obacht, auch das dürfte ein Reizwort für die Gutmenschen sein, die sich über die Sixt-Werbung pflichtgemäß moralisch entrüsten. Ihre Argumentation, dass man mit Atom-Müll keine Werbung machen dürfe, weil das Thema zu ernst sei, ist von gleicher Qualität wie die geistige Schere im Kopf, die es ihnen verbietet, über Witze zu lachen, die nicht der political correctness genügen. Selten so gelacht!

6.11.10

Wie verschäuble ich meinen Sprecher

Darf der das denn überhaupt? Unser aller Finanz-Wolfgang Schäuble hat bei einer Pressekonferenz seines Ministeriums einen Auftritt der ganz besonderen Art abgeliefert, der Harald Schmidt und David Letterman vor Neid erblassen lässt. Der Herr Offer, der wo sein Sprecher ist, wie Jürgen Klinsmann sagen würde, hatte eine Pressemitteilung nebst Zahlenwerk zu spät in die Umlaufbahn gebracht und sich darob den Zorn des Großmeisters des scharfen Worts zugezogen. Selten erlebt, dass jemand auf offener Bühne derart verseggelt worden ist. Seitdem gibt es eine Steigerung des schwäbischen verseggeln: verschäublen.
Einfach mal reinschauen: http://www.youtube.com/watch?v=UYtf6Hh3Zt4

20.10.10

Wem soll ich eine Wasserwaage schenken?

Manchen Textern und Politikern möchte ich am liebsten eine Wasserwaage zu Weihnachten schenken, damit sie ihre schiefen Bilder korrigieren können. Und davon hängen offenbar viele in ihren Köpfen. Da gibt es zum Beispiel eine Gruppe von Textern, die sich allen Ernstes auf ihrer Website als Kolonie bezeichnen. Was originell sein soll, erzeugt jedoch Assoziationen, die wenig geschäftsfördernd sind: Ich musste spontan an Deutsch-Südwest denken, an Sklaven, Unterdrückung, Herrenmenschen und die leidvolle Geschichte des Kolonialismus. Okay, es gibt auch weniger harmlose Kolonien, zum Beispiel die Kleingärtnerkolonie Neugrabener Moor in Hamburg oder die Kleingartenkolonie Roßtrappe in Berlin. Herrlich!

Sprach-Pfusch aus Politikermund ist die Floskel "auf den Prüfstand stellen". Obacht, liebe Bürger und Wähler! Ein Prüfstand dient in der Technik dazu, zum Beispiel die Leistung und Belastbarkeit eines Motors zu prüfen. In der Politik kommt aber nichts wirklich auf irgendeinen Prüfstand – wie soll der überhaupt ausgestattet sein? Nein, dies ist nur das Vorspiel, bevor eine Leistung, eine Einrichtung oder ein Arbeitsplatz gestrichen wird.

Wem soll ich jetzt alles eine Wasserwaage schenken, auf dass die schiefen Sprachbilder wieder ins Lot kommen? Vorschläge sind willkommen!

16.8.10

Wetzt Eure Messer!

Gerade komme ich aus Wien zurück. Für mich ist Wien nicht nur eine der grünsten Hauptstädte Europas, sondern auch die Hauptstadt der Freundlich- und Höflichkeit, der Gelassenheit und Toleranz. Alles geht sich aus, wenn man den Anderen respektiert.

Beim Heurigen in Stammersdorf bin ich beim zweiten Glas Wein ins Grübeln gekommen. Weshalb nur will mir der knusprige Schweinsbraten nicht ganz so gut schmecken wie er tatsächlich ist? Nach dem dritten oder vierten Bissen dämmert die Erkenntnis:

Das Messer ist so stumpf, dass es große Mühe bereitet, die krachig-knusprige Kruste (Weingenuss fördert Alliterationen) zu zerteilen. Ein Königreich für ein scharfes Messer! (zum Weiterlesen die Überschrift anklicken!)

Auch so mancher objektiv gute Text kann nicht wirklich gut schmecken, wenn der Leser eine Sehhilfe braucht. Lesen macht mindestens soviel Mühe wie das Zerteilen einer röschen Schweinsbraten-Kruste! Handwerklich gute Typografie steigert den Genuss, weil er ihn erleichtert. Wie ein scharfes Sägemesser. Das beginnt bei der Größe der Schrift und dem Zeilenabstand (ganz einfach) und endet bei der Auswahl der Schriftart (schon schwieriger) sowie der semantischen Typografie (eher anspruchsvoll).

Gemach, gemach! Natürlich respektiere ich die landläufige Meinung, die besagt: Typografische Gestaltung hat mit dem Schreiben von erfolgreichen Texten so wenig zu tun wie die perfekte Zubereitung eines Schweinsbratens mit dem Wetzen der Messer. Beim (Rück-)Blick über den Tellerrand auf den mit Soße bekleckerten Tisch kann man auch zu anderer Einsicht gelangen.

Schani, bringen´s noch a Glaserl Wein, bitt´schön!

4.6.10

Direct Mail behauptet Platz vier auf dem Werbemarkt

Werbebriefe liest doch niemand, die landen sofort im Papierkorb. Geld- und Papierverschwendung. Und schreiben können wir selber - so oder so ähnlich lauten die Reaktionen, wenn das Gespräch auf das Thema Direct Mail kommt. Seltsam nur, dass die Wenigsten eine schlüssige Alternative nennen können. Bleiben wir also besser bei den Tatsachen, die der soeben veröffentlichte Direct Mail Statusbericht 2009 von Nielsen Media Research liefert. Das Markt- und Medienforschungsunternehmen weist nach, dass Direct Mail im vergangenen Jahr den vierten Rang auf dem deutschen Bruttowerbemarkt behauptet hat. Nach den Erhebungen von Nielsen wurden knapp 68 Prozent aller Werbesendungen tatsächlich gelesen. Kleiner Tipp am Rande: Das könnte auch am Inhalt liegen! Mehr Informationen zum Nielsen Direct Mail Statusbericht 2009 finden Sie unter www.nielsen.de

9.2.10

Die Mischung macht’s: Steuern, Sünder und Straftäter

Knapp daneben ist auch vorbei. Das möchte man all jenen Politikern und Journalisten zurufen, die leichtfertig mit dem Begriff Sünde umgehen. Durch den schlampigen Sprachgebrauch offenbart sich eine Denkweise, die den Zustand unserer Gesellschaft kennzeichnet. Wer sein Auto im Halteverbot abstellt, zu schnell fährt oder bei dunkelgelb die Ampel passiert, wird in ADAC-konformer Sprache als Parksünder oder Verkehrssünder bezeichnet. Wohl wissend, dass keine Sünde, sondern eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat begangen worden ist. Doch daran haben wir uns dank ständiger Wiederholung anscheinend gewöhnt.

Nicht gewöhnen kann und will ich mich jedoch an die Bezeichnung Steuersünder im Zusammenhang mit millionenschwerer vorsätzlicher Steuerhinterziehung. Politiker und Journalisten, die diesen Sprachgebrauch pflegen, machen sich im tiefsten Inneren ihres Herzens gemein mit diesen Straftätern und stellen sie auf eine Stufe mit Falschparkern. Steuerhinterziehung als Volkssport, nein danke!

Was eine Straftat ist, muss auch als solche bezeichnet werden. Sünde ist ein Begriff, der nach theologischem Verständnis das Verhältnis des Menschen zu Gott betrifft, aber nichts im Strafrecht zu suchen hat. Außerdem: Sünden können nach christlicher Lehre vergeben werden, Straftaten nicht.

Geradezu grotesk wirken die Kommentare mancher Leitartikler, wenn sie mit Begriffen wie Datendiebstahl oder Hehlerei jonglieren. Nach heutigem Wissen hat niemand irgendeiner Bank irgendwelche Daten gestohlen, denn sie sind ja bei den Banken noch vorhanden! Allenfalls wurden Daten illegal kopiert. Und es geht zuletzt um den Straftatbestand einer Hehlerei, denn die fraglichen Bankdaten, die auf die Spur von Steuerhinterziehern führen sollen, sind keine Ware, sondern Informationen, also Wissen.

Was Ermittler wissen dürfen und ob die Übermittlung oder Beschaffung (nicht die Herkunft!) der Daten rechtskonform ist, darüber lohnt sich durchaus eine Diskussion. Anders gefragt: Unter welchen Umständen und zu welchen Bedingungen darf sich der Staat Wissen beschaffen, das mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Aufklärung erheblicher Straftaten führt? Voraussetzung für einen Erkenntnisgewinn ist jedoch ein sorgfältiger Sprachgebrauch.

5.2.10

Der kleine Unterschied zwischen Kunde und Auftraggeber

Der kleine Unterschied zwischen Kunde und Auftraggeber kann große Folgen haben. Eine Diskussion auf XING hat unlängst dazu geführt, dass einige Kollegen in Werbeagenturen und Grafikbüros mächtig Dampf abgelassen haben. Muss auch mal sein.

Fazit: Die Kreativ-Branche hat es immer weniger mit Kunden, aber umso mehr mit Auftraggebern zu tun. Kunde zu sein bedeute nämlich, kundig zu sein, also eine Ahnung zu haben, wie es eine Gestalterin formulierte. Sie – und offenbar nicht nur sie allein – sieht sich zunehmend mit Auftraggebern konfrontiert, die sich aber wie Kunden gebärden. Klar doch, gestalten kann heute jeder, der seinen PC in Gang bringt und mit Hilfe von WORD Texte und Bilder auf die Seiten nagelt. Und es gibt genügend Online-Druckereien, die alles drucken, was auf den Bogen passt. So what.

Die Klage der Kollegin in Gottes Ohr. Allerdings spürt die Kreativ-Branche nicht allein diesen Wandel vom kundigen Kunden zum halbwissenden Auftraggeber. Lehrer, Architekten, Handwerker und viele mehr werden zustimmen. Tragisch wird es jedoch, wenn die Auftragnehmer selbst diese Tendenz fördern und alles zulassen und liefern, was bestellt wird. Um den Fußball-Lehrer Felix Magath zu zitieren: "Qualität kommt von quälen." Aber es ist immer wieder schön, wenn der Schmerz nachlässt.

18.1.10

Das große Missverständnis: Sprache für Mann und Frau

In Ulm dauert manches etwas länger. Aber jetzt sind auch die Stadt Ulm und die SÜDWEST PRESSE einem weit verbreiteten Missverständnis aufgesessen, dem vermeintlichen Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Sprache. Kaum zu glauben, aber wahr: Die Stadtverwaltung lässt eine Broschüre drucken mit Hinweisen zur Gleichbehandlung in Wort und Text. Immerhin - und das ist ausdrücklich zu loben - spielen Lesbarkeit und Verständlichkeit auch eine Rolle. Sowohl Stadtverwaltung als auch die SÜDWEST PRESSE ignorieren jedoch, dass in der deutschen Sprache das natürliche Geschlecht (Sexus) eben nicht zwangsläufig dem grammatikalischen Geschlecht (Genus) entspricht. Deshalb kann es, aller feministischer Sprachkritik zum Trotz, keine männliche oder weibliche Sprache im Sinne einer geschlechtertypischen Sprache geben. Auf einem ganz anderen Blatt steht, welche Denk- oder Verhaltensweise einer Gleichbehandlung von Mann und Frau im Wege steht. Und daran ändert auch eine städtische Broschüre nichts, so gut sie auch gemeint sein mag.

31.12.09

Bankenkrise Teil 2: die Kundenabwehrstrategie

War da was? Wenn die Banken aus der gleichnamigen Krise etwas gelernt haben, dann dieses: Wir sind unfehlbar, unsterblich, unkaputtbar. Denn im Notfall springt der Staat mit Milliarden zur Seite. Sieht man als Kunde genau hin, gewinnt man den Eindruck, dass dem WEITER SO ein JETZT ERST RECHT folgt.

In ihrer Überheblichkeit den Kunden gegenüber steht manches öffentlich-rechtliche Institut den meisten deutschen Banken in nichts nach. So wird in Ulm die Frage nach den Konditionen für ein Geschäftskonto mit einem kopierten Zettel beantwortet, den eine gelangweilte Mitarbeiterin wortlos und mit gequältem Lächeln über den Tresen reicht. Die Konditionen erweisen sich bei näherem Hinsehen als bestenfalls durchschnittlich.

Der Lichtblick in der Servicewüste leuchtet wenige Kilometer außerhalb Ulms bei einer kleinen Raiffeisenbank. Die Anfrage per Mail, abgeschickt am 28. Dezember (!), wird bereits am Folgetag beantwortet - freundlich, informativ und mit Konditionen, die absolut wettbewerbsfähig sind. Hier fühle ich mich als Kunde willkommen und werde zu Beginn des neuen Jahres ein Konto eröffnen. Eigentlich ganz einfach.

Und was folgt daraus?
1. Die Größe einer Bank sagt überhaupt nichts über Leistung und Servicequalität aus.
2. Die Bankenkrise hat keinerlei reinigende Wirkung gezeigt.
3. Viele Bankmitarbeiter pflegen eine Beamtenmentalität, die keinen Wettbewerb um Kunden kennt.
4. Wie sich Banken gegenüber Kunden verhalten, widerspricht oftmals den Aussagen in ihrer Werbung.
5. Deutsche Banken pflegen ein Selbstverständnis, das sich keine andere Branche leisten kann - der Bankenrettungsfonds macht es möglich.

14.12.09

Gedanken zur Kooperation oder die Größe des Kuchens

In der Theorie ist es ganz einfach: Einzelne Spezialisten oder Unternehmen schließen sich fallweise zusammen und profitieren gemeinsam. Wir sprechen dann von einer Win-Win-Situation. Das liegt derzeit voll im Trend. Auch das Cross-Selling, also der Verkauf verwandter oder sich ergänzender Produkte oder Dienstleistungen geht in diese Richtung. Aus meiner beruflichen Praxis und zahlreichen Beratungsgesprächen kenne ich die größte Hürde, die zu überwinden ist: die Mentalität der potenziellen Partner. Wennn die Kooperation oder das Cross-Selling nicht in die Gänge kommt, liegen die Ursachen genau hier, auch wenn es meistens bestritten wird. Partner, die zuerst nach ihrem eigenen Vorteil fragen, sind auf dem falschen Weg. Sie wollen im Grunde ihres Herzens gar keine Win-Win-Situation, sondern fürchten Konkurrenz oder wollen sich zu Lasten des Partners bereichern. Zu fragen ist vielmehr: Was können Partner GEMEINSAM gewinnen, was ihnen einzeln nicht möglich ist. Anders gesagt: Die Größe des Kuchens ist das wesentliche Ziel! Wer nur danach strebt, dass sein eigenes Kuchenstück das größere sein möge, wird mit einer Kooperation scheitern.

8.12.09

Guten Flug mit dem Bürgerpiloten nach Mallorca

An dieses Zitat erinnere ich mich immer wieder: "Bürgermeister kann jeder werden, Mechaniker nicht!" In die Welt gesetzt von einem geschätzten Kommunalpolitiker während eines Gesprächs über die Qualifikation von Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Baden-Württemberg. Anders gesagt: Nahezu jeder Beruf erfordert eine ordentliche Ausbildung.

Und bei Journalisten? Die Zeitung mit den großen Buchstaben hat einen fatalen Trend eingeleitet: Wer einen Bleistift halten und einen Knopf an der Kamera drücken kann, wird flugs in den neuen Berufsstand des Bürger-Reporters aufgenommen. Hauptsache, billig. Mittlerweile finden sich Nachahmer, gefördert von Verlegern, die im engeren Sinne keine mehr sind. Qualität? Nein, danke!

Wohin diese von wahnhaftem Sparzwang und vermeintlicher Bürgernähe geprägte Denkweise führt, machte der Medienwissenschaftler Christoph Fasel bei einem Journalistenkongress deutlich. Das Magazin des Deutschen Journalistenverbands zitiert ihn mit folgenden Worten: "Wir wollen auch nicht von Bürgerpiloten nach Mallorca geflogen oder von Bürgerchirurgen operiert werden."

7.12.09

Weshalb wir immer noch eine Bankenkrise haben

Haben wir immer noch eine Bankenkrise? Ja, vor allem im Service. Denn was soll man von einer deutschen Bank halten, die alles tut, um sich Kunden vom Hals zu halten. Der Anruf bei der örtlichen Filiale landet stets im anonymen Callcenter, der zugesagte Rückruf aus der Filiale dauert zwischen zwei Tagen und mindestens einer Stunde. Vielleicht gibt es Service erst ab einer Anlagesumme, die nach dem Selbstverständnis jener Bank und ihres Vorstandschefs mehr als nur peanuts darstellt. So what. Ganz anders die Erfahrung mit einer Direktbank, deren Mutterkonzern ihren Sitz in den Niederlanden hat. Kaum wurde zweimal hintereinander ein identischer Wertpapierauftrag online abgeschlossen, meldet sich ein freundlicher Mitarbeiter am Telefon mit der fürsorglichen Nachfrage, ob dies ein Versehen oder Absicht war. Mitdenken statt abkassieren ist eine Mentalität, die ich mir öfters wünsche. Auch von deutschen Banken.

2.12.09

Gar nicht nett: Wenn Angst die Argumente übertönt

Wer hat es erfunden? Die Schweizer natürlich. Und jetzt sind sie über die Auswirkungen ihrer viel gelobten direkten Demokratie doch ein wenig erstaunt. Denn die Volksabstimmung über ein Minarett-Verbot finden viele gar nicht nett.
Interessant und wenig beleuchtet sind folgende Gesichtspunkte:

Ganz offenkundig ist es den Minarett-Gegnern gelungen, mit einer äußerst emotionalen Kampagne sämtliche noch so guten Argumente der Befürworter von Religionsfreiheit, Toleranz und Integration zu übertönen. Ein Mechanismus, der immer wieder funktioniert. In der Werbung wie in der Politik. Wer es schafft, Emotionen zu wecken, ist auf der Gewinnerstraße.

Eine der stärksten Emotionen neben Gier ist überall auf der Welt die Angst. Die Angst vor dem Unbekannten, dem Fremden, dem vermeintlich Gefährlichen, oft auch vor dem Neuen. Angst gedeiht am besten auf dem Nährboden von Unkenntnis und Halbwissen; hinzu kommen geistige Trägheit, der Unwillen und das Unvermögen, sich mit einem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen.

Für Politiker, Werbetreibende und Journalisten kann das aus meiner Sicht nur bedeuten: Wer seinen Beruf verantwortungsbewusst ausübt, muss sich der Wirkung starker Emotionen wie der Angst jederzeit bewusst sein. Wer auf kurzfristigen Erfolg aus ist und deshalb mehr oder weniger dumpfe Ängste schürt, wird langfristig großen Schaden anrichten.

3.11.09

Do not drive to Bangkok! Warum Verneinungen gefährlich sind

Von Nick Faldo kann man lernen, wie ein guter Golfschwung aussieht, aber auch, weshalb Verneinungen oft das Gegenteil bewirken. Schauen Sie sich einfach mal dieses Youtube-Video an. Faldo vermeidet bewusst Selbstgespräche wie „Nicht in den Teich schlagen!“ oder „Bloß nicht die Bäume treffen!“.

Weshalb? Unser Gehirn lässt das alles entscheidende Wort „nicht“ durch ein Sieb fallen Was bleibt, sind Gedanken, die um die Hauptwörter „Teich“ oder „Bäume“ kreisen. Und schon landet die Pille als Fischfutter im Teich oder rasiert die Bäume am Fairway-Rand. So ein Mist! Alles schon zigfach selbst erlebt …

Deshalb: Vermeiden Sie in Ihren Mailings Verneinungen und treffen Sie ausschließlich positive Aussagen. Faldo sagt sich zum Beispiel: „Ich spiele jetzt einfach einen geraden Ball etwa 170 Meter weit in die Mitte des Fairways.“ Und siehe da: Die Pille fliegt wie an der Schnur gezogen bolzgerade und weit genug am Teich vorbei.

Denken Sie immer an Nick Faldo: Auf dem Golfplatz und beim Texten – oder Sie engagieren gleich einen Golflehrer oder Profi-Texter zur Unterstützung.

23.10.09

Qualität setzt sich auch in der Krise durch

Ob es den Zeitungsverlagen gut oder nicht ganz so gut geht, ist Auslegungssache. Tatsache sind einerseits sinkende Auflagenzahlen, wie der Deutsche Journalistenverband (DJV) in den DJV-News mitteilt. Demnach hat es im dritten Quartal 2009 vor allem die Regionalzeitungen besonders getroffen. Positiv verläuft dagegen die Auflagenentwicklung bei den Sonntags- und Wochenzeitungen: Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (plus 3,3 Prozent) und die liberale ZEIT aus Hamburg (plus 4,2 Prozent) legen deutlich zu. Wie man auch zur politischen Ausrichtung dieser beiden Blätter stehen mag, so verbindet sie doch ein wesentliches Merkmal, nämlich Journalismus auf verlässlich hohem Niveau. Ob es vielleicht doch einen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung gibt?

22.10.09

Auf zur Suche nach dem Unwort des Jahres 2009

Die sprachkritische Aktion Unwort des Jahres sucht ihren Favoriten für das Jahr 2009. In der Pressemitteilung der Aktion heißt es:

Gesucht werden sprachliche Missgriffe in der öffentlichen Kommunikation, die 2009 besonders negativ aufgefallen sind, weil sie sachlich grob unangemessen sind und möglicherweise sogar die Menschenwürde verletzen. Dabei kann es sich um einzelne Wörter oder Formulierungen handeln, die in der Politik oder Verwaltung, in Kulturinstitutionen oder Medien, in Wirtschaft, Wissenschaft, Technik oder in einem anderen Bereich öffentlich verwendet wurden. Vorschläge können von allen Deutschsprachigen im In- und Ausland gemacht werden. Eine Quellenangabe wird erbeten.

Vorschläge am besten per Mail an: unwort@em.uni-frankfurt.de bis spätestens 11. Januar 2010.

Meine persönlichen Favoriten sind: Nebenhaushalt (statt Taschenspielertrick), Migrationshintergrund, Analogkäse, Freisetzung (anstatt Entlassung), Straßenbegleitgrün (seit wann begleiten Pflanzen?), Atommeiler (noch beschönigender als Kernkraftwerk), Systemgastronomie (statt Massenfütterung), Solidaritätszuschlag (statt Zwangsabgabe Ost), Wertberichtigungsbedarf.

Weitere Informationen: www.unwortdesjahres.org

25.8.09

Damit Ihre Botschaft in den Hirnwindungen des Lesers die Kurve bekommt

Machen Sie mal einen einfachen Test mit Ihrem Partner, Kollegen oder Freund. Bitten Sie ihn, sich ganz fest zu konzentrieren, die Augen zu schließen und fordern Sie ihn auf: „Denke JETZT nicht an einen rosaroten Elefanten auf der Überholspur der Autobahn!“ Nach zehn Sekunden fragen Sie nach, welches Bild vor seinem geistigen Auge entstanden ist. Ein rosaroter Elefant! Völlig normal, denn das kleine, aber bedeutende Wörtchen „nicht“ ist auf dem Hochgeschwindigkeitstrip durch seine Hirnwindungen irgendwo aus der Kurve geflogen. Der rosarote Elefant hat stattdessen sein Ziel erreicht. Deshalb: Vorsicht vor Verneinungen! Stattdessen: Think, speak and write positive! Dazu ein Beispiel aus dem Alltag. Wenn wir beim Einkaufen, im Restaurant oder sonstwo um einen Gefallen bitten, erhalten wir oftmals die gut gemeinte Antwort: „Kein Problem!“ Hören wir das ständig, so verfestigt sich der Eindruck, als seien wir von Problemen umzingelt. Etwas Brot zur Suppe? Kein Problem! Den Pullover auch in dunkelblau statt hellblau? Kein Problem! Ein Platz am Fenster? Kein Problem! Ein Bär in freier Wildbahn? Ja, DAS ist wirklich ein Problem. Ein Problembär nämlich! Mehr dazu siehe und höre hier: Der Problembär

17.7.09

Darf es eine Stadelhenne sein?

Wer weiß heute noch, was eine Stadelhenne ist? Weitere Merkwürdigkeiten der bayerischen Sprache, die in Vergessenheit geraten sind, hat die Bayerische Akademie der Wissenschaft in ihrem neuen Wörterbuch zur Landesgeschichte und Heimatforschung festgehalten und erläutert.

Eine launige Rezension findet sich HIER bei silicon.de

7.5.09

Bäume gefällt und fässerweise Farbe durchs Land gefahren

Mit Zeitungen verhält es sich ähnlich wie mit Rohöl: Eigentlich weiß jeder, dass es sich um Auslaufmodelle handelt, Alternativen dringend gefordert sind, aber kaum zur Kenntnis genommen werden. Erfrischend ehrliche Antworten auf die Frage nach der Zukunft des Print-Journalismus gibt John Yemma, seit 2008 verantwortlich für den Christian Science Monitor, zuvor Journalist für Politik beim Boston Globe. Im Gespräch mit Barbara Nolte für das Magazin der Süddeutschen Zeitung (veröffentlicht auch bei netzeitung.de) sieht er das Ende für die klassische Tageszeitung gekommen. Sein renommiertes Print-Produkt erscheint nur noch online - und zwar mit Erfolg, sprich steigenden Abonnentenzahlen. Auf die Frage, welche Zukunft die Tageszeitung haben werde, antwortet Yemma:

Keine große. In den mittelgroßen Städten der USA werden die Zeitungen bereits in ein, zwei Jahren ins Internet abgewandert sein – außer der Sonntagsausgabe und womöglich einem Boulevardblatt, das an der U-Bahn ausliegt. Printjournalismus macht einfach keinen Sinn: Da werden Bäume gefällt, fässerweise Farbe durchs Land gefahren, Zeitungen gedruckt, die tags darauf im Altpapier landen.


Deutlicher geht es kaum noch. Meine Heimatzeitung setzt dagegen auf Gewinnspiele und ein Rabatt-Kärtle, das mir zum Beispiel die Autowäsche verbilligt. Auch das ist eine Strategie.

Das vollständige Interview mit John Yemma lesen Sie HIER!