Blitzkrieg, Waldsterben, Kindergarten und andere Wörter haben längst in anderen Sprachen ein Zuhause gefunden, zum Beispiel im Englischen. In der neuesten Ausgabe von chrismon, das als Magazin heute der „Süddeutschen Zeitung“ beiliegt, stellt die Autorin Ursula Ott das jüngste ausgewanderte Wort vor, nämlich „Kaffeepause“. Es hat als „kaffepaussi“ in Finnland eine neue Heimat gefunden.
www.chrismon.de
5.2.07
Entdeck' den Finnen in Dir mit kaffepaussi!
22.1.07
Ausg´stoibert is!
Jo mei, ausg´stoibert is! Die Abgesänge auf den nicht mehr lange amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten werden zunehmend lauter. Groß ist die Trauer bei Kabarettisten und Freunden der deutschen Sprache, hat es dem Stoiber Edmund doch ein ums andere Mal seine Sätze so herrlich derbatzt. Die Transrapid-Rede vom Januar 2002 ist längst ein Dokument der Sprach- und Zeitgeschichte. Eine tiefschürfende Analyse von Stoibers komplexer Sprach- und Gedankenwelt liefert die Online-Ausgabe der WELT unter dem Titel: Lob der Stoiber-Sprache: "Und dann steigen Sie in den Hauptbahnhof ein".
Weitere Links für Stoiber-Fans:
Der Stoiber-Automat
Die Transrapid-Rede im Originalton als MP3-Datei
Der ultimative Stoiber-Song
8.1.07
Wozu ein Blog gut ist oder: So verschaffe ich mir Gehör
Spielerei, Zeitverschwendung oder wirksames Mittel, um sich Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen? Die Meinungen über Blogs gehen auseinander, noch. Denn immer mehr Unternehmen und Personen entdecken, wie sie sich mit einem Blog oder Internet-Tagebuch mit vergleichsweise geringem Aufwand Gehör verschaffen können.
Zu den Vorreitern der Blog-Welle in Deutschland zählt sicher das Webtage-Buch des Tiefkühlkost-Herstellers Frosta, zu finden unter www.blog-frosta.de. Hier schreiben Mitarbeiter aus allen Abteilungen über ihr Unternehmen, ihre Arbeit, neue Produkte und so weiter. So präsentiert sich ein lebendiges Unternehmen, schafft Kundenbindung und gibt sich ein menschliches Antlitz!
Eine Ausnahmeerscheinung, nicht nur als CSU-Freidenkerin und Ducati-Fahrerin, stellt die Fürther Landrätin Dr. Gabriele Pauli dar. Wer Ihre Internet-Seite www.gabriele-pauli.de aufruft, findet sich nach der automatischen Weiterleitung auf gpauli.blogya.de/gpauli/ wieder – einem professionell gepflegten Blog, das zudem mit einem Diskussions-Forum verknüpft ist. Ganz schön intelligent. In jeder Hinsicht.
Falls auch Sie für sich oder Ihr Unternehmen ein Blog einrichten wollen, können Sie mich gerne ansprechen. Nebenbei bemerkt: Bloggen macht auch Spaß!
22.12.06
Migrationshintergrund und andere Merkwürdigkeiten
Meine Lieblingsworte des Jahres 2006:
Lohnausgleich - wir werden für unsere Arbeit nicht mehr bezahlt, sondern erhalten großzügigerweise Lohnausgleich. Nicht immer, aber immerhin für die ersten paar Stunden.
Gesundheitsreform - was wird hier reformiert? Die Gesundheit? Allein das Wort macht schon krank.
Nobelfischfilet - Wortschöpfung eines italienischen Wirts, kritiklos übernommen von einer auch in Ulm erscheinenden Tageszeitung. "Gestatten, von Zander!" Da staunt der Angler, da wundert sich die Tiefkühltruhe.
Migrationshintergrund - die schönsten Stilblüten und Wortungeheuer haben meistens ihren Ursprung in der vermeintlich politisch korrekten Sprache. Sind Sie in Ihrem Leben mindestens einmal umgezogen? Dann können Sie stolz sein auf Ihren Migrationshintergrund.
Dialog - Standardwort auf den Speisekarten jener Köche, die ihr Streben nach einem Michelin-Stern nicht anders ausdrücken können. Umarmen sich Blut- und Leberwurst auf einer Schlachtplatte, heißt das "Dialog von Blut- und Leberwurst an Sauerkraut". Zum Glück spricht die Typografie immer noch vom Semikolon oder Strichpunkt und nicht von einem "Dialog von Punkt und Komma".
Dieser Weg - der unsägliche Stammel-Song, mit dem Xavier Naidoo verhindert hat, dass unsere Klinsmänner das WM-Finale erreichen. In Wahrheit konnten sie es nicht mehr länger ertragen, damit in der Kabine zwangsbeschallt zu werden
sale - Kaufhaus-Deutsch mit Migrationshintergrund. Hieß früher mal Ausverkauf, Schlussverkauf oder so ähnlich. Wer erinnert sich noch?
Zickezacke Hühnerkacke - Kurzgedicht aus Kindermund. Kein Wort zuviel. Und deshalb ist jetzt Schluss mit dieser Liste.
24.10.06
Werden Sie noch bezahlt oder erhalten Sie schon Lohnausgleich?
Länger arbeiten für einen sicheren Arbeitsplatz, zumindest für die nächsten zwei, drei oder vier Jahre. Ja, das muss einem schon etwas wert sein. Verzicht heißt die Parole, genau gesagt: Arbeit zum Nulltarif, ohne Bezahlung also. Weil das recht schnöde klingt, haben sich die Erfinder dieses Spiels eine beschönigende Formulierung ausgedacht: Sie reden nicht von Mehrarbeit ohne Bezahlung sondern von Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. Werden Sie noch bezahlt für Ihre Arbeit oder erhalten Sie schon Lohnausgleich? Ein Elch, äh Schelm, wer sich dabei Böses denkt.
18.10.06
Unterschicht, nein danke?
Haben wir ein Sprachproblem in unserem Land? Dürfen Politiker und Journalisten nicht mehr die Verhältnisse so benennen wie sie wirklich sind? Fünf bis sechs Millionen Menschen haben sich geistig und gefühlsmäßig aus dieser Gesellschaft verabschiedet, sehen keine Perspektive mehr für sich. Sie haben keine Arbeit, leben von Hartz IV oder noch weniger, meist fehlt es ihnen auch an Bildung. Schlimm genug. Trostlos und erschreckend. Noch schlimmer allerdings, so scheint es, dass diese Menschen nicht als Unterschicht bezeichnet werden dürfen oder sollen. Die political correctness-Wächter schwingen bereits den Knüppel. Soziologen werfen den Begriff Prekariat in die Runde – weil er so schön wissenschaftlich klingt und dabei letztlich doch nur verharmlosend wirkt. Ebenso verharmlosend wie die Bezeichnung Migranten, unter der sich auch jene Flüchtlinge finden, die aus Not und Verzweiflung ihr Leben riskieren, wenn sie in irrwitzig kleinen Booten von Afrika aus in Richtung Europa aufbrechen.
Zurück zum Sprachproblem: Meine Lieblings-Wochenzeitung DIE ZEIT hat die Lösung parat. Wir könnten die Angehörigen der Unterschicht als „Die Unbenennbaren“ bezeichnen. Dann ist der Weg auch nicht mehr weit zu den Unberührbaren des indischen Kastensystems. Wohlan!