3.4.09

Sprache und Stil in den Fünfzigern und heute

Jede Zeit hat ihre Sprache und ihren Stil. Doch gewisse Regeln überdauern die Zeit und werden auch noch in Zukunft gültig sein. Beispiel gefällig? Neulich in Vaters Bücherschrank entdeckt und mit Genuss gelesen:

Da es die Fülle fachlicher Ausdrücke und eine Reihe formelhafter Wendungen sind, die das Kaufmannsdeutsch von der Umgangssprache unterscheiden, glaubt der Handelsbeflissene nur zu oft, in der Häufung von Fachausdrücken läge das wesen eines "echten" Kaufmannsbriefes. Es ist aber gerade umgekehrt: je mehr es dem Schreiber gelingt, die Starrheit des Formelbriefes zu brechen, je mehr er seinen Stil der lebendigen Umgangssprache nähert, um so besser wird es um seinen Brief stehen.

Das Zitat stammt aus dem "Handbuch des Kaufmanns",bereits im Jahr 1950 (!) erschienen im Verlag Hammerich & Lesser in Hamburg.

11.3.09

Durchschnittlichkeit: die engste Freundin des Mittelmaßes

Versprochen ist versprochen. Deshalb folgt heute ein weiterer Denkanstoß aus Hermann Scherers Newsletter zum Thema "Mittelmaß". Dabei lernen wir die engste Freundin des Mittelmaßes kennen, die Durchschnittlichkeit. Wer um Mittelmaß und Durchschnittlichkeit einen großen Bogen machen will, für den gilt Scherers Handlungsanweisung: Dort, wo alle sind, ist wenig zu holen. Übrigens eine erstaunliche Parallele zum Titel des Buches, das ich gerade lese: The road less traveled. Dazu später mehr. Jetzt aber hat Hermann Scherer wieder das Wort:

Dort, wo alle sind, ist wenig zu holen

Wenn wir uns wie alle anderen benehmen, werden wir auch nur dieselben Dinge sehen, dieselben Ideen haben und ähnliche Produkte oder Dienstleistungen entwickeln. Im besten Fall führt eine normale Produktion zu normalen Ergebnissen. Benchmarking, ein oft doziertes Vorgehen, ist nichts anderes als organisierte Gleichmacherei.

Erfolg entsteht eben nicht durch das Mit-, sondern vor allem durch das Voranmarschieren. Solange Menschen, Marken und Unternehmen nur das bieten, was alle bieten, bekommen Sie eben auch nur das, was alle bekommen: durchschnittliche Erlöse, durchschnittliche Anerkennung, durchschnittliche Aufmerksamkeit. Dort, wo alle sind, ist wenig zu holen. Jeder sucht die goldene Mitte, und wer sie gefunden hat, wird feststellen, dass sich dort viel zu viele tummeln. Die Ansammlung der ewigen Zweiten ist zugleich die immerwährende Suche nach dem ersten Platz oder nach Mitleid.


Mehr von, über und mit Hermann Scherer finden Sie auf seiner Website www.hermannscherer.de

Fortsetzung folgt.

10.3.09

Herausforderung für E-Mail-Marketing: sinkende Öffnungsrate

Bereits zum vierten Mal hat emarsys die Responsedaten von E-Mail-Kampagnen über die Dauer eines Jahres erhoben. Die Studie bietet eine Übersicht aller Responsedaten im Branchenvergleich. Von den Ergebnissen sind vor allem der weitere (Ver-)Fall der Öffnungsrate sowie die hohen Bounce-Raten sicher die größten Herausforderungen an das E-Mail-Marketing.Für den Benchmark Report 2008 wurden mehr als 7000 E-Mail-Kampagnen von mehr als 250 emarsys-Kunden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz von Januar bis Dezember 2008 untersucht.

Die Lehren aus der Studie sind einfach: Wer eine bessere, also niedrigere Bounce-Rate will, muss die Qualität seiner Mailing-Listen verbessern und diese regelmäßig (!) pflegen. Öffnungsraten lassen sich allein dadurch verbessern, dass man in der Betreffzeile Formulierungen wählt, die den Spam-Filter passieren.

Die emarsys-Studie als PDF-Dokument

4.3.09

Warum wir das Mittelmaß lieben

Die Kurzfassung vorneweg: Wir lieben das Mittelmaß, weil wir Angst haben. Vor der Verantwortung, vor dem Anderssein, vor dem Risiko, vor dem Unbekannten.
Die Langfassung stammt aus dem jüngsten Newsletter von Hermann Scherer, einem der besten Business-Experten, Erfolgstrainer und Vortragsredner deutscher Sprache – was ich nach einem Vortragsabend und der persönlichen Begegnung mit ihm bestätigen kann.

Wir lieben das Mittelmaß. Was „jeder“ tut, muss ja richtig sein. Und geht es doch schief, sind die „anderen“ schuld: die Gesellschaft, die Krise (eine geniale Ausrede!), im Zweifelsfall Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter, die Generalbevollmächtigten der Schuld. Damit hat man ja gar keine Schuld, sondern sogar eine Ent-Schuldigung. Schuld haben die anderen, die Gemeinschaft, die kollektive Entscheidung. In Wahrheit haben wir Angst, etwas falsch zu machen, und tun deshalb, was alle tun. Das ist zwar keine Erfolgsgarantie, liefert aber die Ausrede gleich mit. Dabei bringt die Angst nichts. Zu Tode gefürchtet ist schließlich auch gestorben!

Mittelmaß gewinnt nie. Es hat nie gewonnen, und es wird auch nie gewinnen. Im Zeitalter des Überflusses steigt die Zahl der Firmen und der Angebote unaufhaltsam. Jeden Tag kommen neue Produkte und Dienstleistungen auf den Markt. Selbst, wenn Sie sich heute sicher fühlen: Möglicherweise bastelt Ihr größter Konkurrent, der Sie in zehn Jahren das Fürchten lehren wird, gerade an seinem Businessplan. Alle Organisationen möchten teilhaben, sie wollen ein Stück vom Kuchen. Um Erfolg zu haben, müssen wir also aufhören, so verdammt normal zu sein.

Fortsetzung folgt demnächst. Versprochen!

Mehr über Hermann Scherer auf seiner Website www.hermannscherer.de

20.2.09

Holsten knallt am dollsten: oder warum Wiederholung einfach nicht blöd ist

Je einfacher, desto verständlicher. Falls man nicht den Preis für experimentelle Lyrik gewinnen will, sicher eines der besten Rezepte für Texte. Sollte man meinen. Stattdessen will der Kunde ausdrücklich die Begriffe Engineering, High Tech und Knowhow in seinem Text lesen. Ihm gefällt es so besser. Aber dem Leser?

Je öfter, desto einprägsamer. Im Schulaufsatz haben uns Wiederholungen glatt eine halbe Note gekostet. Ein Trauma, das viele nicht verarbeitet haben. Und so schreiben sie auch heute noch in Zeitungen oder sonstwo über Drahtesel, obwohl Fahrräder mittlerweile aus allem möglichem Material gebaut sind, nur nicht aus Draht. Noch besser sind kirchliche Themen. Die Kirche wandelt sich spätestens im dritten Satz zum Gotteshaus, der Pfarrer zum Gottesmann – und wenn er gestorben ist, liegt er auf dem Gottesacker. Wer aber verkaufen will, muss seinen Namen, sein Produkt in die Hirne einbrennen. Und da hilft nur Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung.

Je mehr, desto besser. „Ihr Werbebrief gefällt uns eigentlich schon, aber er ist ein bisschen lang“ – ein Klassiker des Feedbacks. Verkaufen braucht Argumente, muss Vertrauen aufbauen, die richtige Stimmung erzeugen, Zweifel zerstreuen und vieles mehr. Was das kostet? Den Verkäufer Zeit und den Texter Zeilen. Oder haben Sie schon mal in zehn Minuten ein Auto gekauft?

1.1.09

Zehn gute Vorsätze für das neue Jahr

Jeder Jahresanfang gibt Anlass, gute Vorsätze zu fassen. Was daraus wird, ist freilch eine andere Frage. Tiefe Einblicke in die hessische Seele bietet der Beitrag auf hr-online.de mit dem Titel „Gute Vorsätze für 2009: Sechs von zehn Hessen wollen Stress abbauen“. Wie das geht? Am besten vielleicht mit Äppelwoi. Die Hitliste der zehn am häufigsten genannten Vorsätze enthält Klassiker wie „mehr Zeit für sich selbst“ oder „das Rauchen aufgeben“. Wer hätte das von den Hessen gedacht! Immerhin: Es handelt sich um eine Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK. Kosten? Darüber spricht man nicht. Und hier meine ganz persönlichen Vorsätze für 2009. Gut oder nicht gut? Schau‘ mer mal! Jedenfalls will ich …
1. mich nach dem Tod meiner Mutter noch mehr um meinen Vater kümmern.
2. in Gesprächen mindestens zwei Drittel der Zeit einfach nur zuhören.
3. mich nur noch über Dinge oder Personen aufregen, die ich ändern kann.
4. richtig Italienisch lernen.
5. das beste Rezept für Saure Kutteln finden.
6. nicht Mitglied der IHK werden.
7. meine Rhetorik verbessern.
8. Zwangsabonnent der Ulmer Lokalzeitung bleiben.
9. auf der Autobahn nicht mehr schneller als 200 km/h fahren.
10. endlich Handicap 36 oder besser erreichen.