2.3.07

Vollgas statt Nachdenken

Bei der Diskussion um den CO2-Ausstoß geraten die deutschen Autohersteller wieder einmal in die Defensive. Geschichte wiederholt sich, auch in der Außendarstellung. Erst der Streit um die Katalysatorpflicht, dann der Rußfilter für den Diesel und jetzt die CO2-Grenzwerte. Jedes Mal wird der Untergang der deutschen Automobilindustrie herbeigeredet, während sich andere im eigenen Glanz sonnen, der dank professioneller Öffentlichkeitsarbeit besonders hell leuchtet. Kaum zu glauben, wie ein optisch grenzwertiges Auto mit mäßigen Fahrleistungen wie der Toyota Prius mit seinem Hybridantrieb zum Trendsetter wird und die ganze Marke mitzieht. Vielleicht kommt der Tag, an dem Audi seinen Slogan wechselt. Wie wäre es mit "Vorsprung durch Nachdenken?"

Mehr zu diesem Thema findet sich in der "Süddeutschen Zeitung" unter dem Titel "Mit Vollgas ins PR-Desaster".

23.2.07

Die Firmenphilosophie oder wozu das Kellerfenster gut ist

Woran erkennt man die Firma von Welt? An ihrer Philosophie! Im Land der Dichter und Denker zählt der Philosoph zu den gefragten Berufen, denn die Firma von Welt braucht – Sie ahnen es schon – eine Firmenphilosophie. Geben Sie einfach den Suchbegriff „Firmenphilosophie“ bei Google oder einer anderen Suchmaschine ein und siehe da: Aus den firmenphilosophischen Abteilungen ergießt sich ein unerschöpflicher Wortschwall über Sie. Hier ein paar philosophische Original-Versatzstücke:

Wir wollen, dass unsere Kunden zufrieden sind. Deshalb legen wir großen Wert auf die hervorragende Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen.
Wer will das nicht! Wer Selbstverständlichkeiten als Firmenphilosophie anpreist, hat es wohl nötig.

Unser Ziel sind zufriedene Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter.
Kaum besser, aber wenigstens kürzer.

Für unsere Mitarbeiter schaffen wir ein Umfeld, in dem sie zu herausragenden Leistungen motiviert und attraktiv dafür belohnt werden. In allen Ebenen unseres Unternehmens fördern wir die Diversifizierung.
Aha, hier werden Mitarbeiter nicht bezahlt, sondern belohnt. Ein Zuckerle für Frau Maier, ein Knochen für Herrn Müller. Wuff!


Unsere Philosophie besteht in der höchstmöglichen Abdeckung von Kundenwünschen und in einer sehr flexiblen Arbeitsweise.

Das macht Eindruck. Hier verbiegt sich selbst der Philosoph – man will ja flexibel sein!

Wir glauben fest an die Synthese der Technologie und der individuellen Bewertung der Sinnhaftigkeit deren Einsatzes, als Basis eines wirtschaftlichen Erfolges. Dabei ist die Leitlinie unseres Denkens und Handelns durch eine Begeisterung für unsere Aufgabe und der Freude am Erfolg bestimmt.
Ist das eine Firma oder eine Sekte? Dieses Unternehmen könnte sich an die Spitze einer neuen Entwicklung setzen: Der Firmentheologe und sein Glaubensbekenntnis lösen den Firmenphilosophen ab. Schau’ mer mal.

Wir sind ein Unternehmen, welches den Anspruch hat, über die Verwendbarkeit von neuen Technologien als einer der ersten kompetent urteilen zu können und auf der Grundlage unseres technologischen Vorsprungs bei unseren Kunden diese neuen Technologien einzuführen.
Da möchte man vor Verzweiflung aus dem Kellerfenster springen. Mein Tipp: Tun Sie es nicht, aber werfen Sie den Firmenphilosophen durch selbiges hinaus. Sofort!

5.2.07

Entdeck' den Finnen in Dir mit kaffepaussi!

Blitzkrieg, Waldsterben, Kindergarten und andere Wörter haben längst in anderen Sprachen ein Zuhause gefunden, zum Beispiel im Englischen. In der neuesten Ausgabe von chrismon, das als Magazin heute der „Süddeutschen Zeitung“ beiliegt, stellt die Autorin Ursula Ott das jüngste ausgewanderte Wort vor, nämlich „Kaffeepause“. Es hat als „kaffepaussi“ in Finnland eine neue Heimat gefunden.
www.chrismon.de

22.1.07

Ausg´stoibert is!

Jo mei, ausg´stoibert is! Die Abgesänge auf den nicht mehr lange amtierenden bayerischen Ministerpräsidenten werden zunehmend lauter. Groß ist die Trauer bei Kabarettisten und Freunden der deutschen Sprache, hat es dem Stoiber Edmund doch ein ums andere Mal seine Sätze so herrlich derbatzt. Die Transrapid-Rede vom Januar 2002 ist längst ein Dokument der Sprach- und Zeitgeschichte. Eine tiefschürfende Analyse von Stoibers komplexer Sprach- und Gedankenwelt liefert die Online-Ausgabe der WELT unter dem Titel: Lob der Stoiber-Sprache: "Und dann steigen Sie in den Hauptbahnhof ein".

Weitere Links für Stoiber-Fans:
Der Stoiber-Automat

Die Transrapid-Rede im Originalton als MP3-Datei

Der ultimative Stoiber-Song

8.1.07

Wozu ein Blog gut ist oder: So verschaffe ich mir Gehör

Spielerei, Zeitverschwendung oder wirksames Mittel, um sich Gehör und Aufmerksamkeit zu verschaffen? Die Meinungen über Blogs gehen auseinander, noch. Denn immer mehr Unternehmen und Personen entdecken, wie sie sich mit einem Blog oder Internet-Tagebuch mit vergleichsweise geringem Aufwand Gehör verschaffen können.

Zu den Vorreitern der Blog-Welle in Deutschland zählt sicher das Webtage-Buch des Tiefkühlkost-Herstellers Frosta, zu finden unter www.blog-frosta.de. Hier schreiben Mitarbeiter aus allen Abteilungen über ihr Unternehmen, ihre Arbeit, neue Produkte und so weiter. So präsentiert sich ein lebendiges Unternehmen, schafft Kundenbindung und gibt sich ein menschliches Antlitz!

Eine Ausnahmeerscheinung, nicht nur als CSU-Freidenkerin und Ducati-Fahrerin, stellt die Fürther Landrätin Dr. Gabriele Pauli dar. Wer Ihre Internet-Seite www.gabriele-pauli.de aufruft, findet sich nach der automatischen Weiterleitung auf gpauli.blogya.de/gpauli/ wieder – einem professionell gepflegten Blog, das zudem mit einem Diskussions-Forum verknüpft ist. Ganz schön intelligent. In jeder Hinsicht.

Falls auch Sie für sich oder Ihr Unternehmen ein Blog einrichten wollen, können Sie mich gerne ansprechen. Nebenbei bemerkt: Bloggen macht auch Spaß!

22.12.06

Migrationshintergrund und andere Merkwürdigkeiten

Meine Lieblingsworte des Jahres 2006:

Lohnausgleich - wir werden für unsere Arbeit nicht mehr bezahlt, sondern erhalten großzügigerweise Lohnausgleich. Nicht immer, aber immerhin für die ersten paar Stunden.

Gesundheitsreform
- was wird hier reformiert? Die Gesundheit? Allein das Wort macht schon krank.

Nobelfischfilet - Wortschöpfung eines italienischen Wirts, kritiklos übernommen von einer auch in Ulm erscheinenden Tageszeitung. "Gestatten, von Zander!" Da staunt der Angler, da wundert sich die Tiefkühltruhe.

Migrationshintergrund
- die schönsten Stilblüten und Wortungeheuer haben meistens ihren Ursprung in der vermeintlich politisch korrekten Sprache. Sind Sie in Ihrem Leben mindestens einmal umgezogen? Dann können Sie stolz sein auf Ihren Migrationshintergrund.

Dialog - Standardwort auf den Speisekarten jener Köche, die ihr Streben nach einem Michelin-Stern nicht anders ausdrücken können. Umarmen sich Blut- und Leberwurst auf einer Schlachtplatte, heißt das "Dialog von Blut- und Leberwurst an Sauerkraut". Zum Glück spricht die Typografie immer noch vom Semikolon oder Strichpunkt und nicht von einem "Dialog von Punkt und Komma".

Dieser Weg
- der unsägliche Stammel-Song, mit dem Xavier Naidoo verhindert hat, dass unsere Klinsmänner das WM-Finale erreichen. In Wahrheit konnten sie es nicht mehr länger ertragen, damit in der Kabine zwangsbeschallt zu werden

sale
- Kaufhaus-Deutsch mit Migrationshintergrund. Hieß früher mal Ausverkauf, Schlussverkauf oder so ähnlich. Wer erinnert sich noch?

Zickezacke Hühnerkacke
- Kurzgedicht aus Kindermund. Kein Wort zuviel. Und deshalb ist jetzt Schluss mit dieser Liste.